humansarehappy-logo-ausgeschrieben

Anja Serfontein – Wie Wohlbefinden durch Resilienz entsteht

Zur Person

Anja Serfontein war viele Jahre für Größen der deutschen Automobilbranche in Asien tätig. Bereits früh war Sie sich dabei als Coach für Expats tätig. Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitet sie als selbstständiger Resilienz Coach: Anja Serfontein begleitet Menschen dabei, langfristig eine hohe Resilienz aufzubauen. Die Kombination aus ihrer umfangreichen, interkulturellen Erfahrung und ihr offener Umgang mit schweren, persönlichen Schicksalsschlägen ist dabei das Fundament ihrer Arbeit.



Übergreifende Erkenntnisse

Resilienz stellt die situationsbezogene Qualität dar, sich bewusst in einen bestimmten Zustand zu versetzen. Daher ist Resilienz ein wichtiger Schlüssel, um nicht an den eigenen Aufgaben zu zerbrechen, sondern diese nachhaltig zu meistern. Pauschal gesagt geht es bei Resilienz also darum, Ressourcen aufzubauen und Belastungen abzubauen. Ausschlaggebend dafür ist vor allem, in eine sogenannte Ressourcenhaltung zu kommen.

In Gespräch erklärt Anja Serfontein, wie das Model des Lebensrads in Verbindung mit den vier Feldern der Resilienz ein wichtiges Werkzeug für ein erhöhtes Wohlbefinden sein kann.





Achtsame Resilienz

Anja Serfontein beschreibt Resilienz als die situationsbezogene Qualität, sich bewusst in einen bestimmten Zustand zu versetzen. Dabei sei es wichtig zu erkennen, wann eine solche Situation ist. Sprich, sich zu fragen: "Wann bin ich resilient und wann gebe ich lieber klein bei?" Diese Unterscheidungsfähigkeit nennt Anja Serfontein Situationselastizität. Hier schlägt sie eine wichtige Brücke zum Thema Achtsamkeit, denn für ein solches Feingefühl sei es notwendig, die eigenen Gefühle und Empfindungen genau zu beobachten. Das kann übrigens manchmal auch mit Schmerz verbunden sein.

Das Entwickeln einer achtsamen Resilienz bringt dennoch entscheidende Vorteile mit sich: Sie gibt Personen die Möglichkeit, die eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und mit verschiedenen Resilienzschlüsseln einem ungewünschten Zustand entgegenzuwirken.


Den richtigen Resilienzschlüssel wählen

Es finden sich in der Literatur verschiedene Definitionen, wie viele sogenannte Resilienzschlüssel es gibt. Für Anja Serfontein sind die folgenden fünf jedoch die Wichtigsten:


· Akzeptanz

· Realistischer Optimismus

· Handlungsfähigkeit

· Selbstwirksamkeit

· Netzwerkfähigkeit


Die verschiedenen Resilienzschlüssel könne man sich wie ein DJ-Mischpult vorstellen und sich fragen: "Was brauche ich gerade? Welche Stellschrauben möchte ich nach oben drehen?" Hier wird wieder die Wichtigkeit der Achtsamkeit in einer Situation deutlich: Erst die Einordnung einer Situation macht es möglich, konkrete Handlungsbedarfe zu erkennen und etwaige Handlungsmöglichkeiten davon abzuleiten.


Als einfaches Beispiel dient es, sich vorzustellen, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. In einer solchen Situation hilft einem die reine Akzeptanz der Situation herzlich wenig weiter. Das Hinterfragen, welche Personen man im eigenen Netzwerk hat, die einem weiterhelfen können, ist hier weitaus zielführender. Der Netzwerkschlüssel wäre hier also mitunter sehr hilfreich.


Vergangenheit. Zukunft. Wohlbefinden.

Dass Resilienz zu einem erhöhten Wohlbefinden beitragen kann, wird vor allem in der Fähigkeit der Akzeptanz sehr deutlich. Bezogen auf die Vergangenheit ist sie nämlich oft die einzig sinnvolle Umgangsform. Erst durch sie wird es möglich, sich voll und ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und dadurch die Zukunft bewusst zu gestalten.


Es ist mittlerweile langläufig anerkannt, dass es für ein gelingendes Leben wichtig ist, sich Ziele zu setzen, die einen antreiben und in der eigenen Bewertung als auch wirklich werthaltig eingestuft werden. Gleichzeitig gibt es auch hier Grenzen: Wenn sich die eigenen Gedanken zu sehr um eine bestimmte Schwierigkeit in der Zukunft drehen und sie deshalb nicht mehr produktiv sind, bringen sie einen eher aus dem Gleichgewicht, als dass sie zu der Lösung des Problems beitragen.

Auch hier wird die Wichtigkeit von achtsamer Resilienz deutlich, denn es ist möglich, entsprechende Warnhinweise im Vorfeld zu erkennen und einer solchen Situation entgegenzuwirken, beziehungweise gar nicht erst in sie hineinzugeraten.


Warnhinweise erkennen und einen Gegenpol schaffen

Kann eine Person beispielsweise nicht mehr durchschlafen und drehen sich die Gedanken immer wieder um ein belastendes Thema, dann hat sie unter Umständen keine echte Möglichkeit mehr auf eine wirksame Erholung. Erkennt sie aber einen solchen Punkt, hat sie es die Möglichkeit, einen Gegenpol zu schaffen. In welchen Bereichen ein solcher Gegenpol vor allem hilfreich sein kann wird deutlich, wenn man das Model des Lebensrads heranzieht. Das Lebensrad teilt das Leben in verschiedene Abschnitte ein, die insgesamt alle wichtigen Bereiche des Lebens eines Menschen abdecken.


Da es Unterschiede in der Priorisierung der Lebensbereiche gibt, ist es ratsam, dieses Modell individuell anzupassen.


Eine mögliche Aufteilung der Bereiche könnte so aussehen.

1. Arbeit & Leidenschaft

2. Finanzen & Vermögen

3. Familie & Freunde

4. (Selbst-)Liebe & Romantik

5. Beitrag zur Gesellschaft

6. Persönliche Entwicklung

7. Persönliches Umfeld

8. Gesundheit & Wohlbefinden


Nun geht man alle Bereiche nacheinander durch und bewertet, an welcher Stelle dieses Bereiches man das eigene Leben aktuell einordnet. Verbindet man die Bewertungspunkte nun miteinander, ergibt sich daraus ein Gesamtbild.


Bei der Bewertung dieses Gesamtbildes gelten grundsätzlich zwei Regeln:


1. Je größer das Rad ist, desto positiver ist die Bewertung aller Bereiche.

2. Je runder das Rad ist, desto ausgeglichener sind alle Bereiche untereinander.


Bei der Betrachtung des Gesamtbildes wird schnell ersichtlich, welche Bereiche des eigenen Lebens gerade zu kurz kommen oder wo es besonders gut läuft. Um hier ein dauerhaft möglichst ausgeglichenes Verhältnis der einzelnen Segmente zu erreichen, teilt Anja Serfontein Resilienz in vier Bereiche ein, um die sich ein Mensch täglich kümmern sollte, oder die man zumindest täglich gedanklich durchgehen sollte, um ein etwaiges Ungleichgewicht frühzeitig zu erkennen.


Physische Resilienz

Der achtsame und wertschätzende Umgang mit dem eigenen Körper. Gerade in der Arbeitswelt kommt dieser Bereich oft zu kurz. Deshalb ist es wichtig, hier bereits auf kleinste Störungen zu achten und diese als Warnsignal wahrzunehmen.


Emotionale Resilienz

Das genaue Wahrnehmen der eigenen Gefühle. Dabei werden Gefühle nicht in positive Gefühle oder negative Gefühle eingeordnet, denn grundsätzlich haben alle Gefühle erst einmal ihre Daseinsberechtigung. Viel wichtiger ist es, sich zu fragen, ob man die wahrgenommenen Gefühlen in Zukunft häufiger oder weniger häufig empfinden möchte.


Mentale bzw. kognitive Resilienz

Die verstandsbasierte Bewertung der eigenen Gedanken. Durch das achtsame Hinterfragen der eigenen Gedanken ist es möglich, frühzeitig zu erkennen, ob diese einen weiterbringen oder langfristig in eine Sackgasse steuern.


Soziale Resilienz Die Einbettung in soziale Strukturen. Sofern die sozialen Kontakte eines Menschen gepflegt werden, können diese wie ein Frühwarnsystem oder Schutzmechanismus fungieren. Sobald man aber feststellt, dass man sich nicht mehr um sein soziales Netzwerk kümmern kann, ist es wichtig zu hinterfragen, woran das liegt und entsprechend gegenzuwirken. Hat man ein stabiles soziales Netzwerk, kann es einen in Krisenzeiten auffangen und Halt geben.


Wenn man bei der Beurteilung der vier Resilienzbereiche feststellt, dass ein bestimmter Bereich aktuell zu kurz kommt, gilt es, diesen bewusst höher zu priorisieren. Dies bedeutet nicht, gleich die gewohnte Alltagsstruktur über den Haufen zu werfen. Oft reicht es aus, kleine Veränderungen in den Alltag zu integrieren. Dabei hilft es, sich morgens zu fragen, was man beispielsweise heute im Bereich der sozialen Resilienz für sich selbst tun möchte. Das kann bereits ein kurzer Anruf bei einem Familienmitglied oder einer Freundin oder einem Freund sein.


Als Impuls und Veranschaulichung für die Priorisierung der wirklich wichtigen Dingen im Leben empfiehlt Anja Serfontein dieses kurze Video.