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Was wollen mir Träume sagen? – mit Heide Nullmeyer

In dieser Folge spreche ich wieder mit der 82-jährigen Diplompsychologin und Traumtherapeutin Heide Nullmeyer. Ich möchte von Ihr wissen, wie wir Träume verstehen können. Welche Zeichen sie uns geben. Und wie wir diese interpretieren können.


Heide Nullmeyer beschreibt Träume als Wegweiser für das Wohlbefinden. Sie seien Botschaften, die uns dazu auffordern, uns mit ungelösten Widerständen beschäftigen. Dabei wollen Träume uns immer auf die Spur „zu uns selbst“ bringen, indem sie uns wichtige Hinweise geben. So können Träume als Warnung auftreten oder als Bekräftigung, einen eingeschlagenen Weg weiterzugehen.


Das Muster von Träumen


Jahrelang hat Heide Nullmeyer mit der bekannten Traumtherapeutin Ortrud Grön zusammengearbeitet. Als Filmemacherin hat sie Ortrud Gröns Arbeit sowie ihre Erkenntnisse vielen Menschen zugänglich gemacht und ihnen geholfen, die Struktur von Träumen zu verstehen.


Ein Traum ist ihr zufolge in der Regel in drei Phasen oder Traumbilder unterteilt:

  1. Problem

  2. Ambivalenz

  3. Lösungsansatz

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass alle Träume einer Nacht zusammengehören. Verschiedene Träume oder Szenerien können so als verschiedene Traumbilder interpretiert werden. Wichtig ist außerdem, dass sich ein Traum in der Regel immer auf Gedanken und Erlebnisse vom Vortrag oder aus der jüngsten Vergangenheit bezieht.

Sich an Träume erinnern


Will man die eigenen Träume verstehen, macht es also Sinn, sich im Kontext eines Traumes zu fragen, welche Themen einen am Vortrag besonders bewegt haben. Um sich besser an die eigene Träume erinnern zu können, ist es daher hilfreich, sie direkt nach dem Aufwachen zu notieren oder als Sprachnotiz festzuhalten. So trainiert man gleichzeitig die Fähigkeit, sich länger und genauer an die eigenen Träume zu erinnern. Und das ist für das Verständnis von Träumen unabdingbar, denn in der Arbeit mit ihnen ist jedes Detail wichtig. Gleichzeitig kann man so feststellen, ob bestimmte Bilder, Szenerien oder Systematiken immer wieder vorkommen. Hier lohnt es sich dann, genauer hinzuschauen.

Träume gleichnishaft verstehen


In ihrer Arbeit mit Träumen geht Heide Nullmeyer gleichnishaft vor. Eine genaue Übersetzung von bestimmten Elementen und Symbolen ist dabei nicht möglich, weil der Kontext immer durch die träumende Person selbst geschaffen wird. Dennoch gibt es allgemeine Muster, die bei der Interpretation von Träumen helfen können.


Richtungen

Gehe man selbst oder Etwas im räumlichen Sinne nach oben, so deute das in der Regel auf das Bewusstsein sein. Mit anderen Worten: In Richtung nach oben bedeutet in Träumen in Richtung des Bewusstseins. Nach unten deutet wiederum auf das Unterbewusste oder Kindheitserfahrungen hin. Die Normalparterre dagegen stehe für den Alltag.

Häuser

Ein Haus im Traum stehe in der Regel für das eigene „Lebenshaus“ – also das Leben, das man sich selbst eingerichtet hat. Träumt man von einem maroden Haus, könnte das ein Hinweis oder die Aufforderung sein, das eigene Leben kritisch zu hinterfragen.


Tiere

Tiere stehen Ortrud Gröns Forschungen zufolge für Emotionen. Dabei sei es in der Interpretation wichtig, sich die Eigenschaften von bestimmten Tieren vor Augen zu führen sowie den Kontext in Betracht zu ziehen, in dem diese im Traum vorkommen.

Autos

Ein Auto stehe im Traum meistens nicht für Mobilität, sondern für die Selbststeuerung. Dabei ist es wichtig, sich zu fragen, in welchem Zustand ein Auto ist, in welche Richtung es fährt, ob man selbst fährt oder gefahren wird, welche Farbe ein Auto hat und so weiter.


Elemente

Wasser stehe im Traum häufig für Gefühle. Beispielhaft dafür sei der Kreislauf von Wasser: Verdunsten, regnen, versickern, ins Meer fließen, verdunsten … Wasser steht also für den Kreislauf von Gefühlen, die immer wieder angeschaut und beachtet werden wollen. Das Element Erde hingegen steht für die Tatkraft, denn die Erde bringt im schöpferischen Sinne Pflanzen oder auch Gold und so weiter hervor. Luft hingegen brauchen wir zum Atmen und um uns lebendig zu halten.

Träume als Wegweiser fürs Wohlbefinden


Im Interview geht Heide Nullmeyer weitaus tiefer und ausführlicher auf die genannten Muster ein. Sie stellt darüber hinaus zwei Träume vor, die wir gemeinsam interpretieren. Und auch ich teile einen Traum, bei dem sie mir hilft, diesen gleichnishaft zu verstehen.


Alle Inhalte aus dem Interview in diesem Text umzusetzen, wäre sehr weitreichend. Wichtig bleibt jedoch zu sagen, dass die Arbeit mit Träumen nicht bei der Erkenntnis über ihre Informationen endet, sondern uns immer dazu auffordert, die dazugehörige Tatkraft zu entwickeln.

Heide Nullmeyer beschreibt das so: „Träume wollen, dass wir unser Selbst entwickeln.“ Sie wollen, dass wir die Widerstände, die wir in ihrer Kindheit und während unseres gesamten Lebens erleben, auflösen. Sie sind dazu da, um uns auf die Spur zu uns selbst zu bringen. Wenn wir sie ernst nehmen, dann dienen sie als die möglicherweise exaktesten und authentischsten Wegweiser zum eigenen Wohlbefinden.



Was ist Glück?


Die Frage "Was ist Glück?" oder "Wie werde ich glücklich?" führt schnell zu einem selbst. Sie führt zu Themen wie Sinn, Wohlbefinden oder Zufriedenheit. Und zu der Frage, ob das, was das eigene Leben ausmacht, als wirklich werthaltig empfunden wird. Dazu rate ich Dir, mit der ersten Folge von humansarehappy mit Dr. Ernst Fritz-Schubert "Was ist eigentlich Glück?" oder mit der 23. Folge "Wohlbefinden, Zufriedenheit & Glück – wissenschaftlich erklärt" zu starten. Dort hörst du die wichtigsten Insights aller bisherigen Folgen und erhältst in 30 Minuten eine trennscharfe und wissenschaftliche Abgrenzung der Begriffe Wohlbefinden, Zufriedenheit und Glück.