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Sinn & Erfüllung in der Arbeit – mit Robert Gierke

"Auch in so einem goldenen Käfig ist man nicht vor dem Anklopfen der Seele gefeit, sondern ganz im Gegenteil. Diese Wahrheit will nach außen." – Robert Gierke


In unserem Gespräch spricht Robert Gierke offen über seine Gefühle und die Konsequenzen aus seiner Tätigkeit in einer – wie er es nennt – entseelten Arbeitswelt. Über seine Tätigkeit im Milliardenkonzern adidas, in dem ein paar Millionen Euro und die jahrelange Arbeit ganzer Terams im Falle eines Strategiewechsel nur Peanuts sind. Er schildert die Erkenntnisse aus seinem Burnout und der immer lauter werdenden Sinnfrage.


Dabei arbeitet Robert Gierke verschiedene Paradigmen heraus, die unsere Gesellschaft und vor allem die Geschäftswelt bis heute prägen. Diese Paradigmen fördern allerdings oft weder den Zusammenhalt der Gesellschaft, noch sind sie zuträglich für das Wohlbefinden aller. Vor allem aber sind diese Paradigmen abträglich für das Wohlbefinden derer, die an sie glauben. In unserem Gespräch macht Robert Gierke zu jedem Paradigma einen passenden Gegenvorschlag.






Die zentralen Erkenntnisse

Zentraler Bestandteil dieses Gespräches ist die Beschreibung anhand der Lebensgeschichte von Robert Gierke, weshalb sich eine zwar gut entlohnte, aber als sinnlos empfundene Arbeit langfristig nicht erfüllend anfühlen kann.


In dem Gespräch arbeitet Robert Gierke verschiedene Paradigmen heraus, denen die heutige Gesellschaft und dadurch auch die Kultur und Führung in vielen Unternehmen oft noch unterliegt. Diese Paradigmen sind unter anderem zurückzuführen auf das von Adam Smith verfasste Werk "The Wealth of Nations" und den sich daraus ableitenden Glaubenssätzen, die sich bis heute hartnäckig in unserer Gesellschaft halten.


Um ein Umdenken in der Unternehmenswelt sowie in der Gesellschaft insgesamt zu ermöglichen, sei es deshalb notwendig, sich mit den folgenden Paradigmen kritisch auseinanderzusetzen und diese zu hinterfragen. Dies ist ein großer Bestandteil sowie ein zentraler Ansatzpunkt von Robert Gierkes Arbeit.



1. Das Paradigma des Gewinnens

"If there is a winner, there is a loser."


Wir sind oft in dem Glauben sozialisiert worden, dass es immer nur eine Gewinner:in gibt. Dies ist ein in der Gesellschaft und vor allem in der Geschäftswelt tief verankerter Glaubenssatz.


Auflösung des Paradigmas

Eine ganzheitliche Stakeholder-Orientierung beinhaltet den Ansatz, dass immer alle partizipieren können. Je integrativer man also ein (Wirtschafts-) System strikt, desto mehr Gewinner:innen gibt es.



2. Das Paradigma der Produkthistorie

Die Konsument:innen interessiert die Geschichte hinter einem Produkt oder einer Dienstleistung nicht.


Auflösung des Paradigmas

In Wahrheit erwarten Konsument:innen von Unternehmen immer mehr, dass sie Nachhaltigkeit (vor-)leben, und zwar entlang der kompletten Wertschöpfungskette. Diese Konsumpräferenz entwickelt sich hin zu einem stark werteorientierten Konsum: Kaufentscheidungen fallen also immer mehr auf Unternehmensebene und weniger auf Produktebene. Dieser Wandel ist zwar getrieben von den jüngeren Generationen, aber er findet parallel in allen Schichten der Gesellschaft in unterschiedlichen Ausprägungen statt.



3. Das Paradigma von Mangel

Es gibt immer einen Mangel an etwas oder einen Kampf um etwas: Um Ressourcen, um Strukturen oder um strategische Wettbewerbsvorteile.


Die Ursache dieses Paradigmas ist die Angst, nicht genügend zu haben oder nicht genügend zu sein, nicht auszureichen oder nicht geliebt zu werden. Dies ist ein Glaubenssatz, der sich oft durch die Psyche von Menschen durchzieht und somit auch in der Geschäftswelt zum Ausdruck kommt.

Dabei ist es erwiesen, dass beispielsweise die Depressionsraten bei Menschen, die diese Annahme des Mangels in sich verankert haben – und daher Ressourcen verstärkt horten und bei sich behalten wollen – weit höher sind als bei Menschen, die in der Grundannahme "Es gibt genügend für alle." leben.


Auflösung des Paradigmas

Das Gegenstück zum Paradigma des Mangels ist Fülle. Ihm entgegengesetzt werden kann der Erkenntnis, dass es genügend Ressourcen für alle Menschen auf der Welt gibt. Wir brauchen in diesem Sinne ein Fülle-Mindset: Es gibt genügend für alle. Dass dafür Ressourcen anders verteilt werden müssten, ist hier natürlich eingeschlossen.


Als einfaches Rechenbeispiel führt Robert Gierke das Bruttoglobalprodukt an. Dieses liegt aktuell bei circa 90 Trillionen US-Dollar. Das sollte doch für 8 Milliarden Menschen ausreichen, oder?


Wer Zahlen mag, hier das Gedankenspiel als Rechnung:


90.000.000.000.000.000.000 US-Doller / 8.000.000.000 Menschen = 125.000.000 US-Doller/Mensch


Again: Das sollte doch für 8 Milliarden Menschen ausreichen, oder?



4. Paradigma: Ich. Hier. Jetzt.

Das vierteljährliche Berichtswesen und die daran geknüpfte Erwartung über Gewinne sind das Gegenstück in der Geschäftswelt zu einem Kind, das sich auf den Boden wirft und fordert: "Ich will das jetzt haben!"

CEOs, die genau diese Erwartungen erfüllen müssen, stecken oft in einem Anreizsystem fest, in dem von ihnen erwartet wird, kurzfristige Gewinne zu erwirtschaften. Dabei sind auch ihre Hebel begrenzt. Sie können kurzfristig Kosten senken, doch diese Orientierung kann nicht langfristig – finanziell sowie wirtschaftlich – gut gehen.


Auflösung des Paradigmas

Wir. Zusammen. Langfristig.


Es braucht Mut, in umweltfreundliche und nachhaltige Geschäftsprozesse zu investieren. Vor allem, wenn damit einhergeht, dass man Anteilseignern verkünden muss, dass in diesem Jahr keine kurzfristigen Gewinne eingefahren werden. Allerdings zeigen Statistiken, dass Unternehmen, die genau das tun, absolut bessere Finanzergebnisse haben als ihre Pendants, die noch nach der klassischen Gewinnmaximierung streben.


Zur Person

Mit seiner Markenberatung Purenessity begleitet Robert Gierke Unternehmen dabei, ihr Handeln nicht mehr an der strikten Maxime der Gewinnorientierung auszulegen, sondern in erster Linie einen sinnstiftenden, nachhaltigen und transparenten Beitrag zur Gesellschaft und Umwelt zu leisten.


Außerdem begleitet und berät er als B-Leader der Non Government Oraganisation B-Lab Unternehmen auf ihrem Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit und Transparanz. Robert Gierke setzt sich außerdem stark für den Klimaschutz und den Erhalt der Ökosysteme der Erde ein. Im Rahmen seiner Tätigkeit für Al-Gores Climate Reality Project hält er kostenlose Vorträge, zu denen er alle Hörer:innen des Podcasts herzlich einlädt. Du kannst ihn gerne unter rob@purenessity.com dazu kontaktieren.


Sein Weg zu der Person, die er heute ist, war dabei keineswegs gerade:

Nachdem Robert Gierke in der DDR aufwuchs und als Fußballer ein Stipendium in den USA bekam, war er unter anderem 14 Jahre lang auf globaler Ebene für adidas tätig. In dieser Zeit stellte er sich immer wieder die Sinnfrage, welchen Beitrag er auf der Welt damit eigentlich leiste. Nachdem Robert Gierke bei adidas kündigte und im Flüchtlingscamp Moria Freiwilligenarbeit leistete, gründete er seine eigene Beratungsfirma.



Was ist Glück?


Die Frage "Was ist Glück?" oder "Wie werde ich glücklich?" führt schnell zu einem selbst. Sie führt zu Themen wie Sinn, Wohlbefinden oder Zufriedenheit. Und zu der Frage, ob das, was das eigene Leben ausmacht, als wirklich werthaltig empfunden wird. Dazu rate ich Dir, mit der ersten Folge von humansarehappy mit Dr. Ernst Fritz-Schubert "Was ist eigentlich Glück?" zu starten.