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Unglück ist wertvoll – Simone Harre




Faszination Glück

Simone Harre und ich haben zwei Gemeinsamkeiten. Wir sind beide fasiziniert vom Thema Glück. Und verwenden dafür lieber andere Worte. Simone Harre spricht lieber über Mut. Ich spreche lieber über Wohlbefinden.


Seit 12 Jahre erforscht sie das Verständnis der Menschen zum Thema Glück. Sie führt Interviews, spricht mit Menschen und bereist die Welt zu diesem Thema. Fünf Jahre hat sie in diesem Prozess allein dem Land China gewidmet.


Ihre Reisen habe sie sehr strukturiert geplant, erzählt sie mir. In China dann habe sie hinter eine Fassade geblickt, die ihre Faszination geweckt hat:


"Mich hat es sehr berührt, dass die Leute unheimlich gerne erzählt haben, weil sie alle gerne erzählen möchten. Weil dieses Zugehört bekommen so selten da ist. Wir denken vielleicht, dass es nur die Alleinstehenden oder die Unbeliebten sind, die keinen haben. Aber in Wirklichkeit sind es fast alle, die keinen Zuhörer haben. Also keinen richtigen Zuhörer, nicht nur so das Bierchen am Abend. Das hat mich hier sehr berührt, in diese Offenheit konnte ich sehr gut hereingehen. Ich saß irgendwann nur da und habe geschehen lassen."


Ackerland, Mund und Karriere

Das chinesische Verständnis von Glück könnte sich nicht stärker von der deutschen Interpretation des Wortes unterscheiden. Schon das Zeichen für das Wort Glück besteht aus den drei Elementen Ackerland, Mund und Karriere. Das Wort Glück sei in China wie Geld. In Deutschland wünsche man sich zu Silvester viel Glück fürs neue Jahr, in China wünsche man sich Erfolg und Reichtum.


Interessant dabei ist für mich vor allem der Perspektivwechsel, den Simone Harre anstößt. Natürlich fällt es leicht, das chinesische Verständnis für Glück zu belächeln. Wer dies tut, sollte aber eines bedenken: Eine ähnliche Sicht haben die Menschen in China auf Deutschland: Warum geben wir uns mit "so wenig" zufrieden?

Glück ist Mut

Simone Harre hat viele ihrer Geschichten aus China aufgeschrieben. Es sind nicht nur Geschichten von Erfolg und Reichtum. Es sind Geschichten, in denen Menschen ihr vom Scheitern und vom Unglück erzählen. Dabei sei es mitunter genau dieser Mut, vom eigenen Scheitern zu berichten, für den andere Menschen viel Achtung haben und vor allem Verständnis aufbringen.


Simone Harre bringt das so auf den Punkt:


"Glück ist Mut, weil wenn Du Dich fürs Glück entscheidest, entscheidest du dich automatisch für das Unglück. Das kommt immer zusammen, alles andere ist Wellness."


Mehr Informationen meiner Gesprächspartnerin gibt es auf https://simoneharre.com/