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Nepal Lodh – Das Leben ist Freude

Das Leben ist Freude – diese Haltung meines Gesprächspartners Nepal Lodh beeindruckt und berührt mich. Ich möchte wissen, wie er zu ihr kommt und sie aufrechterhält. Er lädt mich zu einem Gespräch in seinem Meditationszimmer in der Hindu-Akademie Bremen e.V. ein.




Nahrung für die Seele

Nepal Lodh ist nicht nur Vorsitzender der Deutsch-Indischen Hindugesellschaft Bremen, er ist auch Lachyogatherapeut. Das Lachen sieht er als eine Art Reinigungsprozess an. Durch das Lachen baue der Körper Stoffe ab, die er nicht benötigt. Yoga hingegen sei eine Methode, Körper, Geist und Seele zu vereinen. Nepal Lodh bezeichnet das als "Nahrung für die Seele."


"Wenn ich Yoga übe, dann wird sich meine Seele freuen."


Dabei sei Ruhe die Ausgangssituation jegliches Tuns. Ohne Ruhe gäbe es kein Erlebnis, sagt Nepal Lodh, und berstärkt seine Aussage noch einmal: "Unruhe bringt gedankliches Durcheinander und Verwirrung."


Seine tägliche Yogapraxis hilft Nepal Lodh, Lebensfreude und Harmonie zu empfinden. Seelischen Frieden erlange er dadurch, sich nach innen zu wenden. Erst, wenn man erkennt, welche Gedanken innere Unruhe auslösen, habe man die Möglichkeit, diese zu verarbeiten und in eine positive Richtung zu lenken, erklärt Nepal Lodh. Um seine innere Ruhe aufrecht zu erhalten, meditiert er täglich.


Das Ego zähmen

Gefühle wie Gier, Neid und Hass wohnen in jedem Menschen, sagt Nepal Lodh.

Durch die tägliche Yogapraxis sowie das tägliche Meditieren aber könne man diese Gefühle klein halten. Wenn ein Gefühl wie Gier in einem Menschen überhandnehme, würde er unruhig und unzufrieden werden. Seine Gier im Zaum zu halten, mache ihn daher glücklich, erklärt Nepal Lodh. Dabei geht es ihm aber keineswegs allein um sich selbst. Er möchte einen Beitrag dazu leisten, dass sich möglichst viele Menschen glücklich und zufrieden fühlen. Daher singe er täglich Mantrasm, durch sie transzendiere und harmonisiere sich sein Geist. Das heißt, es würden Schwingungen in eine kosmische Welt gesendet, die andere Menschen spüren können.


Der Verstand ist die Grenze

Ich möchte wissen, was diese kosmische Welt ist. Nepal Lodh entgegnet mir, dass die kosmische Welt die Verbindung vom allem sei: Von Menschen, Tieren, der Natur und eben allem weiteren, was es auf der Welt noch so gibt. Die kosmische Welt könne man nur gefühlsmäßig erfassen. Sie mit dem Verstand zu greifen, sei weder ein gutes Ziel noch möglich, denn Verstand sei die eigene Grenze. Wer bestrebt ist, alles mit dem Verstand zu erfassen, dessen Ego würde immer größer werden.


Genuss im Verzicht

Wie entsteht Wohlbefinden aus der Hinduperspektive, frage ich weiter. Nepal Lodh lässt sich Zeit mit seiner Antwort, er hält inne. Nach einigen Momenten des Nachdenkens sagt er, dass Genuss durch Verzicht entstehe.


"Wenn ich verzichten kann, freue ich mich."


Mit anderen Worten: Weniger ist mehr. Nepal Lodh erklärt, dass es keine Grenze für das eigene Wohlbefinden gäbe. Wohlbefinden könne weder durch eine übermäßige Befriedigung des eigenen Egos noch durch materiellen Konsum gesteigert werden. Wohl aber könne es durch Meditation gesteigert werden.


Ich erinnere mich an das erste Gespräch von humansarehappy mit Dr. Ernst Fritz-Schubert. Wer sich dauerhaft seelisch gesund fühlen möchte, müsse laut ihm zu drei Dingen in der Lage sein:

1. sich durchgehend aktualisieren

2. sich durchgehend regulieren

3. einen Sinn im eigenen Tun finden


Was Nepal Lodh als "Genuss durch Verzicht" bezeichnet, ist der zweite Punkt von Dr. Ernst Fritz-Schubert. Er ist hier nur weniger technisch formuliert.


Sich selbst erkennen

Nepal Lodh erklärt, dass es in der Hindulehre im Kern darum ginge, sich selbst zu erforschen. Es ist die tägliche Übungspraxis, die Erkenntnis bringe: Wie war ich gestern? Wie bin ich heute? Wie werde ich morgen sein? So ließe sich das eigene Ego erkennen. Dabei gehe es nicht darum, sich selbst auf- oder abzuwerten. Es gehe um Beobachtung. So bringe man das individuelle, geistige Bewusstsein mit dem kosmischen Bewusstsein in Einklang.


In diesem Einklang könne man eine tiefe Sinnerfahrung sehen, sagt Nepal Lodh. Das möchte ich genauer wissen und frage nach. Es ginge um Gewaltfreiheit, ist die Antwort: Wenn man verstehe, dass alles miteinander zusammenhängt, versteht man, dass ist jede Gewalt, die man ausübt, immer auch Gewalt gegen sich selbst ist. Dieses Bewusstsein sei essenziell. Danach zu leben, sei das Ziel.


Sinnig werden

Sinnerfahrung liegt also in einer gewaltfreien Lebensform. Es geht dabei laut Nepal Lodh darum, sich selbst als Mensch durch sein Tun "zu vervollständigen". Das wiederum setzt das Verständnis dafür voraus, dass alles miteinander zusammenhängt. So lerne man, sich selbst zu verstehen. Nepal Lodh nennt das "sinnig werden."


Sinnig zu werden bedeute, Sinn zu geben. Nur das zu nehmen, was mach braucht, nicht mehr und nicht weniger. Es gehe ums Verzichten auf das Töten. Es gehe darum, zu erkennen, wo man die eigene Energie sinnhaft einsetzen kann. Man solle sich beispielsweise bemühen, den Leidensweg anderer Menschen zu verkürzen. Oft reiche dafür schon ein einfaches Wort oder kurz die eigene Aufmerksamkeit zu schenken schon aus.


Wohlbefinden und Sinn lassen sich also in einem gewaltfreien Leben erfahren. Voraussetzung dafür ist das Bewusstsein dafür, dass alles miteinander zusammenhängt. Und ein Weg dorthin ist eben die Meditation, das sich nach innen wenden. Sie bedingt Nepal Lodhs Sichtweise auf das Leben. Er beschreibt das so:


"Leben ist Freude. Nicht nur immer leiden, das Leben ist Freude, staunen, bewundern und Frohsinn empfinden."


Das gesamte Gespräch gibt es im humansarehappy Podcast & überall dort, wo es Podcasts gibt.