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Wohlbefinden am Arbeitsplatz - mit Nora Dietrich

„Mentale Gesundheit ist kein Dekoartikel“ – wie Wohlbefinden und Zufriedenheit durch eine neue Organisationskultur in Unternehmen gefördert werden können, erklärt Nora Dietrich.


„Nora Dietrich, was ist Organisationsdesign?“

„Organisationsdesign ist die bewusste Konzeption von neuen Wegen der Zusammenarbeit, um Wohlbefinden und unsere bestmögliche Arbeit in den Fokus zu rücken.“


Nora Dietrich ist Psychotherapeutin und Organisationsdesignerin in Berlin. Sie beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema der mentalen Gesundheit im ökonomischen Kontext – aus einer menschzentrierten Perspektive.


Ich spreche mit ihr in der neuen Podcastfolge über Arbeit – warum sie uns unzufrieden macht und wie wir selbst oder Organisationen das ändern könnten. Dazu sprechen wir über individuelles Handeln sowie über Organisationskultur in Unternehmen: Wie müsste beides gestaltet werden, um mentale Gesundheit, Zufriedenheit und Wohlbefinden von Mitarbeitenden zu stärken?



(Warum) Macht Arbeit unzufrieden?


Dass Arbeiten sich negativ auf unser psychisches Wohlbefinden auswirken kann, belegt Nora Dietrich mithilfe zusammengetragener Studienzahlen. Die Gründe dafür sind vielfältig: angefangen von negativen Beziehungserfahrungen mit Kolleg:innen über fehlende Wertschätzung der Führungskraft bis hin zu einer unrealistisch hohen Arbeitsbelastung.


Dabei sind belastende Faktoren auf der Arbeit oft das Resultat eines strukturellen Problems: Wirtschaftliches Handeln erfolgt immer noch nach dem Bild des rationalen, ökonomisch sinnvoll handelnden und profitfokussierten homo oeconomicus – einem Bild, das real nicht existiert. Durch eine transparente Organisationskultur, Verantwortung für Mitarbeitende, die in der Unternehmensstrategie sichtbar wird, sowie die Frage nach dem Verständnis einer Organisation von Leadership und Zusammenarbeit kann die mentale Gesundheit der Angestellten positiv beeinflusst werden.



Organisationskultur: Mentale Gesundheit als strategisches Ziel


Nora Dietrich erklärt, wie die Organisationskultur eines Unternehmens aussehen müsste, damit das Wohlbefinden der Mitarbeitenden gefördert werden kann. Erst einmal müsse sich die Organisation fragen, wo sie gerade stehe, um im nächsten Schritt Awareness – zum Beispiel mehr Bewusstsein für die Wichtigkeit von Mental Health – schaffen zu können. Auf drei Ebenen könne dabei agiert werden: auf der individuellen Ebene, der Beziehungsebene im Team und im Gesamtkontext der Organisation.

Doch wie können Organisationen ganz konkret die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden fördern? Nora Dietrich vertritt die Ansicht, dass Mental Health als strategisches Ziel eines Unternehmens definiert werden sollte – als Investition, die sich lohnt. Sie sieht dieses Vorgehen als Brücke auf dem Weg dahin an, Mental Health als selbstverständlichen Bestandteil einer Unternehmenskultur zu etablieren. Firmen müssten weg vom reinen Profit-Gedanken, hin zum menschzentrierten, realistischen Handeln mit individuellem Fokus – Stichwort: New Work.



Stress reduzieren – auf individueller Ebene


Auf der individuellen Ebene einer:s Mitarbeitenden bestehe Stress aus drei Komponenten: den externen Stressoren, also allen Belastungsfaktoren, die von außen kommen wie beispielsweise ein hoher Workload. Dazu gebe es die internen Stressoren, die bis zu 90 Prozent der Stressreaktion ausmachen würden. Sie seien von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt und bestünden aus dem Umgang mit Erwartungsdruck und eigenen Glaubenssätzen. Würden wir lernen, eigene Muster zu verstehen und zu hinterfragen, könnte unsere Stressreaktion – der dritte Faktor und das sichtbare Resultat von Stress – reduziert werden.


Zum Stressmanagement gehöre aber zum Beispiel auch, persönliche Grenzen zu setzen. Nora Dietrich fragt sich bei Arbeitsanfragen immer zwei Dinge: „Ist das Ganze eine Einladung oder ist das eine Erwartung?“ und „Wenn ich dazu Ja sage, wozu sage ich dann Nein?“. Durch diese Fragen bekomme sie eine persönliche Entscheidungs- und Bewertungsmöglichkeit: „Muss ich da sein oder möchte ich da sein?“ Zusätzlich dazu könne ein Individuum auch im Außen für sich sorgen – durch Therapie oder Coaching.

„Ich glaube, mentale Gesundheit ist kein Dekoartikel, sondern eine grundlegende Lebenseinstellung. Und es lohnt sich, zu investieren“, erklärt die Organisationsdesignerin.


Neugierig geworden auf das Gespräch mit Nora Dietrich? Hier geht’s zum Podcast. Viel Spaß!


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Was ist Glück?


Die Frage "Was ist Glück?" oder "Wie werde ich glücklich?" führt schnell zu einem selbst. Sie führt zu Themen wie Sinn, Wohlbefinden oder Zufriedenheit. Und zu der Frage, ob das, was das eigene Leben ausmacht, als wirklich werthaltig empfunden wird. Dazu rate ich Dir, mit der ersten Folge von humansarehappy mit Dr. Ernst Fritz-Schubert "Was ist eigentlich Glück?" zu starten.